Donnerstag, 29. September 2011

Zurück zur eigenen Mitte und Balance finden

In der Ruhe liegt die Kraft

Statt rasender Geschwindigkeit führt Gelassenheit eher ans Ziel

Geduld, Vernunft und Zeit macht möglich die Unmöglichkeit, formulierte S. Dach einmal sehr treffend. Hektik macht krank. Die fortlaufende Entwicklung der ‘schnellen’, elektronischen Medien verlangt nach einer angemessenen und zügigen Reaktion. Was Streß verursacht. Mails sollten so schnell wie möglich beantwortet werden, Fotos am besten per elektronischer Post als Attachment verschickt werden und das Handy hat stets griffbereit zur Dauererreichbarkeit in der Nähe zu sein. Wir stehen nicht mehr auf, um das Fernsehprogramm umzuschalten, stattdessen zappen wir von Sender zu Sender. Wir besitzen schnurlose Telefone, mit denen wir nebenbei umherlaufen, bügeln, kochen oder die Türe öffnen können.

Konzentration bringt mehr als Multitasking

Es ist kein Wunder, dass dieses Multitasking und die permanente Überforderung durch einen hohen Reaktionsdruck aggressiv und gereizt machen. Bücher über Wellness und eine Entschleunigung des Tempos haben Hochkonjunktur. Langsamkeit wird von manchen Autoren flehentlich propagiert, und der deutsche Zeitmanagement-Professor Dr. Lothar Seiwert rät zu gebündelten und vereinbarten, festen Telefonzeiten. Das macht Sinn. Denn: im Rahmen des Stresses durch den erhöhten Zeitdruck verlieren viele buchstäblich die Geduld. Die Folgen sind teilweise verheerend.

Keine übereilten Fehlentscheidungen treffen

Aus einer Überreiztheit heraus werden binnen weniger Minuten böse Antwortmails hingeschleudert oder unfreundliche Töne ins Telefon gerufen. Umgekehrt erwartet der selbst Getriebene auch von anderen, dass sie rund um die Uhr zur Verfügung stehen, weil die Medien Daten ja auch in Sekundenbruchteilen zu jeder Tages- und Nachtzeit transportieren können. Aber Menschen sind keine Maschinen. Und sie benötigen Zeit zur Regeneration und zum Nachdenken. Die Elektronik hat aber noch einen Haken.

Elektronische Medien schaffen Anonymität und Distanzlosigkeit

Einerseits wird durch die Zwischenschaltung von elektronischen Apparaten wie PC, Fax, Handy oder Videokamera eine anonymisierte Distanz heraufbeschworen, andererseits wird sie durch den teilweise respektlosen Einsatz - durch günstiges Faxe zur Nachtzeit zum Beispiel - wieder zunichte gemacht. Selbst wenn ein Anliegen sehr rasant und mit hohem Aggressionspotential an den Adressaten gebracht werden kann, kommt der Einzelne mit Geduld oft weiter. Manches lässt sich nicht mit Gewalt erzwingen - weder ein Vertragsabschluss noch eine neue Stelle oder ein fließenderer Verkehr, wenn gerade Feierabendverkehrsstau herrscht. Auszurasten ergibt wenig Sinn und verändert die Situation nicht. Höchstens negativ für sich und für andere. Nur mit enormem Durchhaltevermögen, einer Portion Gelassenheit und Toleranz gelingt Großes. Die größten Forscher und Entdecker gaben niemals nach so und so vielen Fehlschlägen auf, sondern pflegten mit Zuversicht ihr Vorhaben und ihre Ziele konsequent weiter.

Hartnäckigkeit führt zum Ziel

Thomas Alva Edison (1847-1931) betrachtete seine 700 Versuche nicht als Fehler, sondern schlussfolgerte: ‘Ich habe nicht siebenhundertmal versagt. Ich habe nicht ein einziges Mal versagt. Ich habe vielmehr bewiesen, dass diese siebenhundert Möglichkeiten nicht den gewünschten Erfolg bringen. Sobald ich die Möglichkeiten eliminiert habe, die nicht funktionieren, werde ich einen Weg finden, der funktioniert.’ Edison erfand 1877 den Phonographen, 1899 den Kinematograph und 1883 entdeckte er den Elektronen-Effekt (Glühemission) als Grundlage der Elektronenröhren. So viel Gleichmut und Hartnäckigkeit findet sich selten und wenn, dann am häufigsten bei Spitzensportlern.

Nerven schonen durch Gelassenheit

Es ist sicherlich nicht leicht, unter hohen Anforderungen Klarheit und Gelassenheit zu bewahren. Jemand, der selbständig ist, ist dabei noch eher in der Lage, ruhiger zu agieren, weil ihm die Angst vor dem Chef und einer drohenden Entlassung nicht im Nacken sitzt. Dennoch ist Angst kein guter Ratgeber. Wer cool bleibt, kann Probleme nüchtern, mit einem klaren Geist angehen und besser lösen. Die Sinne werden nicht durch negative Emotionen vernebelt. Zwar mögen Menschen, die rasch reagieren, für fix gehalten werden. Aber eine spontane Reaktion muss nicht immer gut sein. Wer fahrig reagiert, macht mehr Fehler.

Keine Kurzschlusshandlungen

Niemand sollte sich durch eine unerwartete Anfrage am Telefon oder per e-Mail zu einer übereilten und unüberlegten Handlung hinreißen lassen. Ist ein Versprechen einmal abgegeben, lässt es sich nur schwer wieder rückgängig zu machen, ohne als unzuverlässig und wankelmütig gehalten zu werden. Wie sehr sich auch die Industrie und die Medien hetzen lassen, zeigen folgende Beispiele. Software-Hersteller geben Programme in den Handel, die noch nicht ausgereift sind. Bei der letzten Bundestagswahl wurden viel zu früh irritierende Prognosen durch das Fernsehen wiedergegeben, die am Ende falsch waren und komplett revidiert werden mussten. Ungeduld wird uns laufend vorgemacht.

Ärger macht alles ‘ärger’

Deshalb fällt es so schwer, gegen den Strom zu schwimmen. Der Anfang zu mehr Gleichmut beginnt mit dem ersten - bewussten - Schritt. Das kann eine relaxte Haltung in einer Warteschlange im Supermarkt oder der Post sein. Warum sollte diese Zeit nicht genutzt werden, um mit den anderen Wartenden ins Gespräch zu kommen? Ärgern hilft so oder so nicht. Es ändert nichts an der Situation und macht alles nur noch ‘ärger’. Vielleicht hilft auch der Blick über die Landesgrenzen. Die Briten warten diszipliniert in einer Schlange. Und die Asiaten scheinen von Geburt an mit einer automatisierten Engelsgeduld ausgestattet worden zu sein. Selbst in den Mittelmeerländern ertragen die Menschen das Warten mit Gleichmut und schonen so ihre Nerven. Sie scheinen das zu leben was John MacEnulty einmal so formulierte: ‘Die Geduld zu warten ist möglicherweise die höchste Weisheit überhaupt: die Weisheit, den Samen zu pflanzen und den Baum Früchte tragen zu lassen.’

© Corinna S. Heyn

Literatur:

John Selby, Wer warten kann, hat mehr vom Leben. Wartezeiten sinnvoll nutzen. Kösel-Verlag, München 2000.

Dr. Inge Hofmann, Faulheit ist das halbe Leben. Wer langsam lebt, bleibt lange jung. Das biologische Gesetz der Energie. Mosaik-Verlag, München 2000.

Irmentraud Schlaffer, Buddhismus für den Alltag. Mit entspannter Aufmerksamkeit durch den Tag. Theseus, Berlin 2003.

Hörbuch: Dalai Lama, Der Weg zum Glück. Sinn im Leben finden. Lesung mit Peter Lieck. 2 Cds mit 12-seitigem Booklet. Der Audio Verlag 2003.

Mary Jane Ryan, Mehr Geduld. Glücklicher leben ohne Hektik und Streß. Kabel/Piper Verlag, München 2003.

Hörbuch: Tu Dir was Gutes. Ausgeglichen im Alltag. Vol. 4. Das Reich der Mitte. 1 CD.  J.F.B. Bornhorst GmbH 1999.

OSHO Buddha Box mit 53 Meditationskarten für innere Ruhe und Gelassenheit. Set mit 53 Meditationskarten plus Begleitbuch. Goldmann/Arkana 2003.

Astrid Frank, Im Alltag entspannen mit Progressiver Relaxation. Buch mit Audio-CD. Trias/Georg Thieme, Stuttgart.

Werner Tiki Küstenmacher/Lothar J. Seiwert, Simplify your life. Einfacher und glücklicher leben. Die sieben Wege zu einem Leben ohne Ballast. Campus Verlag, Frankfurt am Main 2003.

Lothar J. Seiwert, Don’t hurry, be happy. In 5 Schritten zum Lebenskünstler. Gräfe und Unzer Verlag, München 2003.

10 Tipps zu mehr Gelassenheit:

1. Achten Sie auf Ihren Atem, wenn Sie wütend werden und lenken Sie sich so davon ab.
2. Machen Sie alles ganz bewusst. Versuchen Sie beim Gehen, beim Lesen, bei der Hausarbeit an nichts anderes zu denken.
3. Tricksen Sie Ihre Wut aus. Wie werden Sie in fünf Jahren rückwirkend über das Problem denken?
4. Unterstellen Sie anderen Gutes und nicht, dass sie Ihnen schaden wollen oder Sie absichtlich ärgern.
5. Seien Sie grundsätzlich freundlich. Versuchen Sie nichts zu erzwingen.
6. Feiern Sie Ihre Etappensiege auf dem Weg zu Ihrem eigentlichen Ziel.
7. Reagieren Sie nicht auf das Klingeln des Telefons, wenn Sie nicht in guter Stimmung sind.
8. Unterhalten Sie sich mit den Menschen in einer Warteschlange.
9. Erwarten Sie nichts, aber hoffen Sie auf das Gute.
10. Geben Sie niemals zu früh auf.

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